Home > Allgemeines > Microsoft will OOXML mit Gewalt durchbringen

Microsoft will OOXML mit Gewalt durchbringen

30. August 2007

Microsoft will sein Office Open XML-Format anscheinend mit Gewalt als ISO-Standard erklären lassen. Immer wieder gibt es Meldungen, in denen berichtet wird, dass Microsoft sein Partnerprogramm verwende um Firmen für sich abstimmen zu lassen.

Anscheinend ist Ihnen dabei jedes Mittel recht. Durch dieses aggressive Vorgehen wird OOXML wahrscheinlich viel schneller als ISO-Standard etabliert als jeder andere XML-Standard zuvor. Auch die Linux Foundation ist laut Pro-Linux.de und Golem.de bereits besorgt. Microsoft soll sich an dem bereits bewährten ISO-Standard OpenDocument beteiligen und nicht mit einem weiteren eigenen Format als Konkurrent auftreten.

Doch Microsoft will anscheinend lieber OOXML mit Gewalt durchbringen.

Microsofts Methoden

Hier auf Pro-Linux.de lässt sich zb der letze Vorfall in Schweden nachlesen. Kurzerhand wurden 23 neue Firmen, welche allesamt Microsoft-Partner waren zur Abstimmung zugelassen. Das Komitee stimmte danach mit 25 Ja-Stimmen, 6 Gegenstimmen und 3 Enthaltungen ab.

Den selben Vorfall gab es laut woz.ch bereits in der Schweiz. Auch hier wurde das eigentlich 20 köpfige Komitee bei der Abstimmung kurzerhand von Microsoft auf 50 Teilnehmer verstärkt.

Einen ähnlichen Vorfall gab es in Norwegen, wie ein Teilnehmer in seinem Blog berichtet. Die Mitglieder mussten sich innerhalb von kurzer Zeit durch die 6500 Seiten starke Spezifikation von Microsoft durcharbeiten. Entsprechende Kommentare der Teilnehmer wurden gesammelt, alle sollen dabei negativ ausgefallen sein. Ausgerechnet diese vernichtenden Kommentare wurden übergangen, weil der Verantwortliche, welcher keine Ahnung von XML hatte, durch diese Punkte gehen und nur diejenigen zulassen wollte bei denen alle Teilnehmer zustimmten. Die Vertreterin von Microsoft hat daher alle Punkte einfach unbegründet abgelehnt. Nachdem die anderen Teilnehmer sie zur Begründung ihrer Ablehnung drängten, soll sie irgendwelche Erklärungen abgegeben haben.

Bei einer anderen Abstimmung soll den Gegnern des Microsoft-Standards nicht einmal die Abstimmung zugelassen worden sein, weil angeblich nicht genug Platz im Raum war.

Microsoft versucht hier offensichtlich seinen eigenen Standard aggressiv als ISO-Standard zu etablieren.

Warum OOXML kein ISO-Standard werden sollte

Der Hauptgrund ist, dass Microsofts Office Open XML ganz anders als das bereits als ISO-Standard zugelassene OpenDocument-Format zwar auch auf XML basiert, aber gar nicht offen ist. Es ist nur eine weitere proprietäre Lösung verpackt in XML. Außerdem wird es anders als der direkte Konkurrent ODF nur von einem einzelnen Unternehmen kontrolliert, welches alle Spezifikationen diktiert. Das Wort „Open“ bezieht sich nur auf die Tatsache, dass Microsoft verspricht auf seine Patentansprüche in einem Rahmen zu verzichten und so anderen Herstellern erlaubt auch ihre Dokumente in diesem Format zu speichern.

Aber besonders technisch gesehen gibt es viele vernichtende Punkte, die eindeutig gegen OOXML sprechen. Die Spezifikation alleine ist tausende Seiten lang und das Format ist so aufgebläht, dass es keine einzige Anwendung gibt die dieses Format ganz unterstützt, nicht einmal Anwendungen von Microsoft. Desweiteren setzt sich Microsoft speziell in Sachen XML über das eigentlich für dieses Format verantwortliche W3C hinweg. Die Implementierung einer Unterstützung würde dadurch extrem aufwendig werden und niemand kann sagen, ob Microsoft nicht einfach ein paar Punkte verändert. Auch wird immer wieder auf technische Ungereimtheiten und grobe Schnitzer hingewiesen.

Categories: Allgemeines Tags: , , , , ,
  1. Bisher keine Kommentare
Kommentare sind geschlossen