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LaTeX – Editoren im Vergleich

20. Juni 2011

Ich beschäftige mich nun schon seit etwas mehr als einem Jahr mit LaTeX. Gerade bei großen Dokumenten ist LaTeX ein Segen gegenüber normalen Programmen zur Textverarbeitung wie OOo Writer/LibreOffice Writer oder Microsoft Word. Der Aufwand LaTeX zu erlernen hat sich damit gelohnt. Allerdings unterscheiden sich die Editoren dafür gewaltig. Deshalb möchte ich hier die Editoren vorstellen, die ich bisher verwendet habe und eine Entscheidungshilfe für Unentschlossene geben.

Um LaTeX auch verwenden zu können, ist es für alle hier vorgestellten Editoren empfehlenswert unter Windows MiTeX zu installieren. Linux-Distributionen bringen dagegen bereits ihre eigenen Pakete mit um mit LaTeX arbeiten zu können. Diese müssen nur mehr über den Paketmanager nachinstalliert werden.

VIM und Emacs

Für Puristen sind die Editoren VIM und Emacs wohl die Endlösung für Alles. (Ich verwende allerdings nur VIM.) Hier kann man wenig entgegenstellen, denn beide Editoren bieten eine Flexibilität und Arbeitsgeschwindigkeit, die man bei grafischen Editoren vergebens sucht. Sowohl unter Linux als auch unter Windows arbeiten beide zuverlässig und man muss auch nicht auf Syntax Highlighting verzichten. Mehrere Dokumente lassen sich beliebig anordnen, sowohl nebeneinander, als auch untereinander und sogar als Tabs. Auch für LaTex gibt es eine sehr gute Unterstützung.

Wer allerdings keine Erfahrungen mit diesen Editoren hat und auch LaTeX erst noch erlernen möchte, dürfte hier klar überfordert sein. Die Tastenkombinationen sind nicht besonders intuitiv und die Lernkurve für die Editoren sehr hoch. Anfänger dürften schon bei gewohnten Tastenkombinationen wie STRG+Z (Nicht „Rückgängig“, sondern „Prozess in den Hintergrund“) oder STRG+C (Nicht „kopieren“, sondern „Terminate“-Signal) ins Verzweifeln kommen.

Ein weiterer Nachteil – gerade bei Latex – ist, dass man auf eine integrierte Vorschaufunktion verzichten muss. Steht nur die Konsole zur Verfügung, wird das Endergebnis zu einer Überraschung. Hier solltem man den Editor unbedingt mit einem DIV-Viewer wie YAP kombinieren.

Vorteile:

  • Schneller effizienter Workflow
  • Läuft auf allen Systemen

Nachteile:

  • Aufwändige Einarbeitungszeit
  • Keine Integrierte Vorschau

Texmaker

TexMaker

TexMaker bietet unzählige LaTeX-Befehle über die Menüs und die linke Seitenleiste an. Während der mittlere Teil für die Eingabe des Textes zur Verfügung steht, wird am rechten Rand eine (PDF-)Vorschau angezeigt. Die Dokumentenstruktur lässt sich ebenfalls links einblenden. Hier bietet TexMaker – leider in den Menüs sehr gut versteckt – die Möglichkeit eine Date als „Master“ zu definieren. Dieses Masterdokument gibt bei Dokumenten, die aus mehreren Dateien bestehen, die Struktur bei der Navigation und dem Übersetzen an. Das Dokument kann so auch aus einer eingebuntenden Datei übersetzt werden. Zusätzlich werden hier auch die Labels eingeblendet.

Die Symbolleiste gibt schnellen Zugriff auf die Erzeugung der Formate DVI,PDF und PS. Gleich daneben können die Viewer aufgerufen werden. Während der PDF-Viewer bereits integriert ist, wird aber bei DVI und PS das (eingestellbare) Standardprogramm in einem neuen Fenster aufgerufen.

Beim Arbeiten ist mir auch aufgefallen, dass einige Grafiken im Vorschaufenster falsch skaliert werden. Auch bei komplexeren Tabellen entspricht die Anzeige nicht immer der eigentlich Ausgabe.

Dennoch, ist die integrierte Vorschau sehr praktisch – vor allem in Kombination mit dem schnellen Übersetzen von Dokumenten.

Wer mit TexMaker arbeiten möchte, benötigt aber einen sehr breiten Bildschirm, denn die einzelnen Fenster verbrauchen sehr viel Platz. Das Eingabefenster für den Text wird zusätzlich in der Höhe eingeschränkt, wenn das Ausgabefenster für LaTex erscheint. Das Suchfenster positioniert sich ausgerechnet gleich darüber, so dass für das eigene Dokument sehr wenig Platz übrig bleibt. Zumindest lassen sich alle Fenster in Höhe und Breite skalieren und ein-/ausblenden. Als Auflösung ist hier 1920×1080, oder noch besser 1920×1200 empfehlenswert.

Abgesehen davon, bietet TexMaker für Linux und Windows einen sehr guten LaTeX-Editor. Für selten gebrauchte Befehle wird sogar zusätzlich eine sehr gute LaTeX-Befehlsreferenz geboten.

Vorteile:

  • Integrierte (PDF-)Vorschau
  • Gute Unterstützung bei der Eingabe
  • Läuft unter Linux und Windows
  • Integrierte LaTex-Befehlsreferenz

Nachteile:

  • Manchmal umständlicher Wechsel zwischen mehreren Dateien
  • DVI- und PS-Vorschau startet externen Viewer
  • Oft fehlerhafte Anzeige von Grafiken in Vorschau
  • Benötigt sehr breiten Bildschirm
  • Wenig Einstellungsmöglichkeiten

TeXnicCenter

TeXnicCenter

Bei TeXnicCenter fällt als Erstes nach dem Start die überfüllte 3-zeilige Symbolleiste auf. Bis auf die unterste Leiste bieten aber alle aussagekräftige Symbole, so dass man sich nach einigen Blicken sehr schnell zurecht findet. Symbolleisten lassen sich allerdings ein-/ausblenden und beliebig verschieben. Die restlichen Funktionen sind in der Menüleiste untergebracht. Hier findet man wichtige LaTex-Befehle genauso wie obligatorische Funktionen wie das Erzeugen des Dokuments.

Sehr praktisch ist die linke Leiste die in mehrere Tabs unterteilt ist für die Gliederung, die eingebundenen Bilder, die Dateien und das Literaturverzeichnis. Somit ist die Navigation auch in sehr umfangreichen Dokumenten problemlos möglich. Ein Rechtsklick auf einen Eintrag ermöglicht auch das schnelle Einfügen von Verweisen.

Ein Highlight dürfte auch die Unterstützung von Autovervollständigung sein. Ein Drücken von STRG+Leertaste ermöglicht so das bequeme Einfügen von LaTex-Befehlen ohne lästige Tipparbeit. Sehr häufig verwendete Befehle wie emph lassen sich sogar mit Shortcuts wie STRG+e einfügen.

Eine Besonderheit von TeXnicCenter ist, dass Dokumente die aus mehreren Dateien bestehen in Projekten zusammengefasst werden können. Anders als in TexMaker, bei dem das Programm dynamisch anhand der Masterdatei die Struktur bestimmen muss, wird hier eine extra Projektdatei erstellt. Diese ist leider mit keinem mir bekannten anderen Tex-Werkzeug kompatibel. Dies verhindert aber nicht den Umstieg auf andere Editoren.

Erwähnenswert dürften auch die Vorlagen für neue Dateien sein, die das schnelle Erstellen von neuen Dokumenten ermöglicht.

Vorteile:

  • Sehr gute Vorlagen für neue Dokumente
  • Externe Vorschau auf Knopfdruck
  • Einfache Navigation innerhalb umfangreicher Dokumente

Nachteile:

  • Nur für Windows
  • Keine Integrierte Vorschau

LyX

LyX Oberfläche

Anders als die bisher vorgestellten Anwendungen möchte LyX eine Art WYSIWYG-Umgebung bereitstellen, was auch mehr oder weniger gut gelingt. Die Oberfläche wirkt insgesammt aufgeräumt und ist auf jeden Fall auch für Anfänger sehr gut geeignet.

Die ganze Vereinfachung hat aber auch einen Haken, denn Lyx setzt auf ein eigenes Dateiformat. Lyx-Dateien lassen sich zwar einfach und sauber in Tex-Dateien exportieren, aber beim Import von komplexen Tex-Dateien kommt es immer wieder zu Problemen. Der Import brach bei fast allen meiner Dokumente mit einer nichtssagenden Fehlermeldung ab. Da sich so nicht ermitteln lässt, woran der Import scheitert, bliebe nur Copy and Paste als Option, aber da kommen wir schon zum nächsten Haken: LyX erlaubt nicht die direkte Eingabe von LaTeX-Befehlen. Es versucht eine abstrakte und stark vereinfachte Ebene über LaTex zu bilden, verweigert so aber den Zugriff auf viele mächtige Funktionen von LaTeX.

Anfänger die kein LaTeX lernen wollen und nur ab und zu Dokumente verfassen wollen, können aufgrund der guten Exportfunktion aber ohne Weiteres auf LyX setzen.

Vorteile:

  • Wenig Wissen über LaTeX erforderlich
  • Läuft auf allen grafischen Systemen
  • Externe Vorschau auf Knopfdruck

Nachteile:

  • Kein direktes Editieren von LaTeX-Code
  • Keine Integrierte Vorschau
  • Eigenes inkompatibles Format
  • Importschwierigkeiten bei komplexen Tex-Dateien

Fazit:

Wer viel mit LaTeX arbeitet, wird wohl zu Texmaker oder TeXnicCenter greifen. Beide eignen sich für umfangreiche Dokumente und obwohl man LaTeX gut beherrschen muss, sind sie einfach zu bedienen und helfen bei Befehlen, die man selten benötigt. Wer betriebssystemübergreifend arbeitet, wird sich für Texmaker entscheiden. VIM/Emacs bieten einen rasanten Workflow, aber die Bedienung ist eine Wissenschaft für sich. Wer einen dieser Editoren beherrscht, sollte sich die LaTeX-Unterstützung aber auf jeden Fall mal ansehen.

Änfänger, die LaTeX ernsthaft lernen wollen sollten ebenfalls zu Texmaker oder TeXnicCenter greifen und die hohe Lernkurve auf sich nehmen. Wer dagegen nur Dokumente erstellen und sich nicht mit LaTex auseinandersetzen möchte, sollte sich auf jeden Fall LyX ansehen.

Ich persönlich habe mich auf jeden Fall für Texmaker entschieden, obwohl VIM eigentlich mein Lieblingseditor ist. Das liegt vor allem daran, weil er anders als TeXnicCenter sowohl unter Windows, als auch Linux läuft. Die integrierte Vorschau ist auch sehr bequem, denn man muss nicht mit unzähligen Fenstern hantieren. Alles im allen Ist er einfach der tollste Editor, vor allem für längere Dokumente. 😎

  1. 20. Juni 2011, 21:21 | #1

    Ich verwende für LaTeX die KDE-GUI Kile, welche auch sehr gut funktioniert. Es gibt Syntax-Highlighting (über den verwendeten KatePart als Editor), Code Completion speziell für LaTeX, Wizards für komplexere Aufgaben (Anlegen von Dokumenten, Tabellen etc.), eine (relativ simple) Projektverwaltung für größere Dokumente, QuickBuild und eine konfigurierbare „Toolchain“, dadurch ist Kile auch nicht nur für LaTeX verwendbar. Eine integrierte Vorschau ist nicht vorhanden, aber in Kombination mit Okular, das sich direkt starten lässt, funktioniert es recht gut.

  2. 21. Juni 2011, 19:35 | #2

    Jetzt wirds bei mir auch bald soweit. 😆
    Danke jedenfalls für die Einführung in die Editoren, damit erspar ich mir schonmal die Recherche 🙂

    Texmaker sieht jedenfalls sehr fein aus!

  3. 21. Juni 2011, 19:44 | #3

    @Joachim Mairböck
    TexMaker läuft aber unter Linux und Windows und das finde ich sehr angenehm, weil ich oft zwischen diesen beiden Systemen wechsle.
    Werde ich mir Kile aber bei Gelegenheit auch mal ansehen. Für gute Vorschläge bin ich immer offen. 😉

  4. 21. Juni 2011, 19:48 | #4

    @Andreas
    Ich empfehle dir dann auch das Buch „Wissenschaftliche Arbeiten schreiben mit LaTex – Leitfaden für Einsteiger“ vom mitp-Verlag. Das ist ein ausgezeichnetes Nachschlagewerk, das sich bei mir schon sehr gut bewährt hat. Der Autor konzentriert sich darin genau auf die Dinge, die wichtig sind und gibt praxisbezogene Anleitungen.
    (ISBN: 978-3-8266-5892-1 Preis: 20 €)

  5. peter
    3. April 2012, 11:33 | #5

    Eine Alternative, die keine Installation von Programmen und Paketen erfordert könnten auch browser basierte LaTeX Editoren wie zB http://www.verbosus.com sein. Diese erlauben es LaTeX quasi „on the go“ zu verwenden, unabhängig vom PC an dem man gerade sitzt. Es ist damit sogar möglich, seine LaTeX Projekte vom Android Gerät aus (via VerbTeX) zu bearbeiten und PDFs zu erzeugen

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